Coronavirus in Schweden – Am Ende der Sonderreise – Politik

0
8

In Schweden steht ein Kurswechsel an. Der besondere Weg des Landes in der Corona-Krise, der mehr auf Berufungen als auf Beschränkungen beruht, könnte bald ein Ende haben. Die Regierung hat am Wochenende unerwartet Notstandsmächte mit den Oppositionsparteien ausgehandelt. Anscheinend übt die schnell wachsende Zahl infizierter Menschen Druck auf die Regierung aus. Ministerpräsident Stefan Löfven sagte der Zeitung Dagens Nyheter (DN) müssten sich die Schweden darauf vorbereiten, dass die Zahl der Todesfälle bald “zu Tausenden” liegt. Mit seiner neuen Linie, so die Regierung, schrieb das Papier, dass das vorherige schwedische Modell “nicht vollständig funktioniert”.

Das geplante Notstandsgesetz soll nächste Woche im Parlament ausgehandelt werden. Dies würde es der Regierung ermöglichen, Einkaufszentren, Nachtclubs, Fitnessstudios oder Flughäfen zu schließen, was nach schwedischem Recht nicht gestattet war. Dabei zog sich die sozialdemokratische Regierung am Wochenende nach scharfer Kritik seitens der Opposition zurück: Ihr ursprünglicher Vorschlag hätte der Regierung das Recht auf all diese Beschränkungen für drei Monate unter Umgehung des Parlaments eingeräumt. Ein Kompromissvorschlag sieht nun vor, dass das Parlament ein Vetorecht hat.

Bisher hatte das schwedische Modell die Gesundheitsbehörden verlassen, um Entscheidungen über die Krise zu treffen, und die Regierung war stets den Empfehlungen der Wissenschaftler gefolgt. Und die Experten sowie die Politiker in allen Lagern rechnen damit, dass Expertenrat sowie der gesunde Menschenverstand und die persönliche Verantwortung der Bürger genauso gut, wenn nicht sogar besser funktionieren als strenge Gesetze und Strafdrohungen Ziele wie eine zwischenmenschliche Distanz zu erreichen. Zum Beispiel wurden die oberen Klassen von Schulen und Hochschulen geschlossen, aber Grundschulen und Restaurants sind noch heute geöffnet.

Die Gesundheitsbehörden haben bisher die Richtung in der Krise vorgegeben

Schweden meldete am Sonntag 401 Todesfälle durch Coronaviren und 406 Patienten auf den Intensivstationen des Landes. In Dänemark, wo die Hälfte der Bevölkerung lebt, gab es am selben Tag 179 Todesfälle, in Norwegen 66. Sowohl Dänemark als auch Norwegen hatten sich frühzeitig für restriktive Ausgangssperren entschieden. Die TT-Nachrichtenagentur sorgte am Wochenende für Aufregung und sagte, dass die schwedische Zahl der Todesopfer tatsächlich viel höher sei, da viele Opfer erst später gemeldet wurden. Zum Beispiel wurden am 26. März 66 Todesfälle gemeldet, aber später korrigierte das Gesundheitsamt die Zahl auf 124, fast doppelt so hoch. Der Staatsepidemiologe Anders Tegnell sagte am Sonntag, dass die Rückstände jetzt hinzugefügt wurden und die Zahl der nicht gemeldeten Fälle heute nicht mehr so ​​hoch ist.

“Die Zahl der Todesfälle wird auf Tausende steigen”, warnt der Premierminister

Trotzdem warnte Ministerpräsident Löfven sein Volk im DN-Interview etwas dramatisch vor einem raschen Anstieg der Zahl: “Die Zahl der Todesfälle wird auf Tausende steigen.” Genau darauf bereiten Sie sich vor. Im Interview versuchte Löfven, die Unterschiede zu den Nachbarländern einzugrenzen, und betonte die Ähnlichkeiten: “Alle Länder überlegen, wie sie die soziale Distanz stärken können”, sagte er. Manchmal macht man einfach die gleichen Dinge zu unterschiedlichen Zeiten.

Gesundheitsministerin Lena Hallengren hatte Ende letzter Woche ähnlich argumentiert: Nein, so etwas wie gewohnt gab es in Schweden nie. Der Weg der Regierung war effektiv gewesen. Schätzungsweise 70 Prozent weniger Menschen reisten derzeit durch das Zentrum von Stockholm.

Corona-Virus-Updates – zweimal täglich per E-Mail oder Push-Nachricht

Alle Berichte zur aktuellen Situation in Deutschland und weltweit sowie die wichtigsten Nachrichten des Tages – zweimal täglich mit SZ Espresso. Unsere Newsletter bringt Sie morgens und abends auf den neuesten Stand. Kostenlose Registrierung: sz.de/espresso. In unserer Nachrichten App (hier herunterladen) Sie können den Espresso oder aktuelle Nachrichten auch als Push-Nachricht abonnieren.

Am Wochenende veröffentlichten die schwedischen Zeitungen jedoch Zahlen von Google Maps, die den Skeptikern Munition lieferten: Infolgedessen hatten die vom Kartendienst verfolgten Schweden zwar ihre Aktivitäten eingeschränkt – aber weit weniger als ihre Nachbarn. Die Zahl der Schweden, die Einkaufszentren, Bibliotheken und Museen besuchten, war in den sechs Wochen vor dem 29. März um 24 Prozent gesunken, in Dänemark waren es 37 Prozent und in Norwegen 65 Prozent weniger. Zehn Prozent weniger Schweden waren in Lebensmittelgeschäften und Apotheken – verglichen mit 22 Prozent bei den Dänen und 32 Prozent bei den Norwegern. “Der Appell an Freiwillige scheint nicht wie gewünscht zu funktionieren”, kommentierte die DN-Zeitung.

.

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.