Die Sehnsucht nach einem eigenen Ferienhaus wächst

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Paris, Wien, Madrid, Athen, Rom Die Sperre löst das Fernweh aus. Der Wunsch nach unbeschwerten Ferien, vorzugsweise in der Sicherheit Ihrer eigenen vier Wände, wächst mit der Quarantäne jeden Tag. Die Pandemie schürt aber auch Unsicherheit. Geschlossene Grenzen, die Angst vor der tiefsten Rezession in der Nachkriegszeit und die Angst vor einer zweiten Welle von Korona beunruhigen die Menschen zutiefst.

Der europäische Ferienimmobilienmarkt bewegt sich in diesen Wochen zwischen diesen beiden Polen. Insbesondere in den südlichen Ländern erwarten die Experten sinkende Preise. Langfristig könnte der Markt jedoch von der wachsenden Sehnsucht der Stadtbewohner nach ländlicher Idylle profitieren.

Italien

Ihr eigenes Haus am Gardasee oder am Strand auf Sardinien, eine Wohnung mitten in Venedig oder Florenz? Das Angebot ist trotz der Koronakrise da. Das größte italienische Immobilienportal Idealista bietet derzeit 785.655 Immobilien an. Ein Beispiel: Für einen Quadratmeterpreis von 1.300 Euro und die Möglichkeit eines Darlehens über 30 Jahre steht eine Villa mit neun Zimmern und sechs Bädern mitten im Chianti-Gebiet zum Verkauf. Die Anzeige ist praktisch möglich, heißt es in der Anzeige. Die Immobilie ist jedoch schon lange online.

Kein Wunder. Der Immobilienmarkt in Italien brach nach der strengen Sperrung zusammen – und damit dem Verkauf von Ferienhäusern. Das Jahr hatte gut begonnen. Der Anteil ausländischer Käufer betrug in den ersten drei Monaten 6,3 Prozent, berichtet die Agentur Tecnocasa. Im Jahr 2019 erreichte das Immobiliengeschäft mit Ausländern mit mehr als zwölf Milliarden Euro sogar einen Rekord und eine Steigerung von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Villa in der Toskana

Nach der strengen Sperrung in Italien hat der Immobiliensektor noch keine gefunden.

(Foto: LAIF)

Aber dann kam die Ausgangssperre und die Schließung der Grenzen, und das bedeutet keine Besuche und folglich keine Kaufentscheidungen. Das Geschäft ist bis jetzt stehen geblieben. Es nimmt langsam wieder zu. Die Branche ermutigt sich: Nach Angaben des Immobilienunternehmens Gardahaus, das halb deutsche Kunden hat, herrscht kein Mangel an Nachfrage. Sobald Sie wieder reisen durften, würde es die ersten Besichtigungstermine geben, sagt Geschäftsführer Winston Sinibaldi.
Bisher hat sich die Koronakrise nicht auf die Preise ausgewirkt – das kann immer noch passieren. “Es gibt Schnäppchenjäger, die jetzt auf ein gutes Geschäft hoffen”, sagt Sinibaldi, “aber die Preise fallen nicht – auch nicht nach zwei Monaten der Krise.”

Es war dasselbe im Jahr 2008, als die Preise erst ein oder zwei Jahre später fielen. Die Zahlen des Forschungs- und Beratungsinstituts Nomisma bestätigen den Trend. Für dieses Jahr wird ein Rückgang von ein bis drei Prozent und für 2021 ein Rückgang von drei bis zehn Prozent prognostiziert.

Spanien

Spanien ist neben Italien eines der Länder in Europa, das am meisten unter der Koronakrise gelitten hat. Die Ratingagentur Standard & Poor’s geht daher davon aus, dass die Preise im Jahr 2020 landesweit um 3,2 Prozent sinken werden. Ihre Berechnungen basieren darauf, wie stark ein Land von der Pandemie betroffen ist und wie stark die nationale Regierung den Verlust von Arbeitsplätzen und Einkommen begrenzen kann. Spanien schneidet in beiden Punkten schlecht ab.

Für Ferienimmobilien erwartet Constanza Maya einen noch stärkeren Preisverfall: Der Geschäftsleiter für Spanien, Portugal und Andorra bei der Immobilienagentur Engel & Völkers erwartet für Spanien in diesem Jahr ein Minus von zehn bis 15 Prozent. “Banken bewerten Ferienimmobilien derzeit bis zu 20 Prozent niedriger als vor der Koronakrise”, sagt sie.

Im Gegensatz dazu blieben die Preise für besonders attraktive Einrichtungen wie Häuser direkt am Strand stabil. Maya glaubt, dass dies ein guter Zeitpunkt ist, um dieses Jahr in Spanien zu kaufen. “Wir sehen derzeit die größten Rabatte, weil so viel noch ungewiss ist”, sagt sie. Für das kommende Jahr erwartet sie für das dritte Quartal einen erneuten Preisanstieg.
Die Preise stehen aufgrund der finanziellen Not einiger Verkäufer und der Unsicherheit unter den Käufern unter Druck.

Eigentümer, die ihren Arbeitsplatz verlieren, verkaufen ihre Zweitwohnungen an der Küste, ebenso wie einige Erben, deren Eltern an dem Virus gestorben sind und ihnen ein Haus hinterlassen haben. Dies erhöht das Angebot. Gleichzeitig sind die Grenzen immer noch geschlossen und viele Interessenten fragen sich, ob sie diesen Sommer überhaupt nach Spanien reisen können.

Frankreich

Innerhalb weniger Tage nach dem Ausstieg aus der Schließung am 11. Mai fanden zahlreiche Luxusimmobilien einen Käufer. Alexander Kraft, Leiter von Sotheby’s International Realty France, sagte: “In den ersten Tagen nach dem Ausstieg waren Käufer und Verkäufer sehr aktiv.” Luxusimmobilien sind nach wie vor gefragt. Es besteht jedoch Unsicherheit über die Situation auf dem Immobilienmarkt, da nicht sicher ist, wie sich die Koronakrise fortsetzen wird.

Vor der Krise waren die Immobilienpreise in ganz Frankreich innerhalb eines Jahres um durchschnittlich 3,6 Prozent gestiegen. Die Makler rechnen derzeit mit einem Verhandlungsspielraum von bis zu zehn Prozent.

Nach dem Herunterfahren zeigt sich ein neuer Trend. Da sich viele Menschen in den großen Städten gefangen fühlten, suchen sie jetzt ein zweites Zuhause auf dem Land, was den Markt für Ferienimmobilien beflügeln könnte. “Das zweite Haus in einer Stadt, das in wenigen Stunden mit dem Expresszug erreicht werden kann, könnte der Gewinner des Immobilienmarktes sein”, prognostiziert Michaël Benchabat, Präsident des Immobilienspezialisten MeilleursBiens.com.

Er nennt Städte wie Nantes, Rennes, Bordeaux, Lyon oder Marseille. André Yché, Präsident von CDC Habitat, sieht auch kleine Städte oder das Landhaus in Bewegung: “Familien können dort für ein Fünftel des Preises ihres derzeitigen Wohnsitzes kaufen.”

Griechenland

“Ausländer suchen in Griechenland Zuflucht vor dem Virus”, berichtete die Zeitung “Kathimerini” in diesen Tagen. Das Land punktet mit den wenigsten Koronakrankheiten aller europäischen Mittelmeerländer. Laut dem Immobilienportal Spitogatos.gr stiegen die Suchanfragen ausländischer Interessenten im April gegenüber dem Vorjahr um 19,3 Prozent. Die Nachfrage in Deutschland ist besonders lebhaft.

Griechenland kann nun die Vorteile der erfolgreichen Corona-Strategie nutzen, sagt Marios Christodoulou, Mitinhaber der Vermittlungsplattform Ferimmo.de. Auch er beobachtet die steigende Nachfrage deutscher Interessenten.
Seit sich Griechenland von der zehnjährigen Finanzkrise erholt hat, fließt ausländisches Kapital massiv in Ferienimmobilien. Nach Angaben der griechischen Zentralbank haben ausländische Immobilienkäufer im vergangenen Jahr 1,45 Milliarden Euro eingebracht. Im Vergleich zu 2016 hat sich die Investitionssumme versechsfacht.

Weiße Häuser auf Santorin

Einige Experten raten Ihnen jetzt, in Griechenland zu beginnen.

(Foto: Moment / Getty Images)

Der Startzeitpunkt ist jetzt günstig, sagt Dirk Reinhardt, Partner der Athener Anwaltskanzlei MStR-Law, die sich um deutsche Immobilienkäufer kümmert. Aufgrund der eingeschränkten Mobilität der Käufer und des Rückgangs der Kurzzeitmieten wie Airbnb stehen die Preise unter Druck. “Als Käufer muss man hart verhandeln und schnell handeln, bevor die Nachfrage steigt”, rät der Anwalt.

Wohnungen in Griechenland sind auch als als Finanzinvestition gehaltene Immobilien gefragt. Eingriffe der Regierung sorgen für Unsicherheit. Mieter, die von der Corona-Sperre betroffen sind, erhalten einen Rabatt von 40 Prozent – ein massiver Eingriff in die Vertragsfreiheit.

Österreich

Wer sich für Ferienimmobilien zwischen Bodensee und Neusiedler See interessiert, wird enttäuscht sein. Die Koronakrise und die vorübergehende Schließung der Grenzen zwischen Österreich und Deutschland haben nicht zu einem Abschlag geführt. Im Gegenteil, die geografische Nähe zu Deutschland kommt sogar dem österreichischen Markt zugute.

“Generell hat die Nachfrage nach Wohnimmobilien in ländlichen Gebieten im Zuge der Koronakrise zugenommen, und dies gilt auch für Ferienimmobilien in Niederösterreich und im Burgenland”, sagte Peter Weinberger, Sprecher von Raiffeisen Immobilien Austria. “Auch für Wien erwarten wir, dass Ferienimmobilien als Alternative zu Hotels noch stärker nachgefragt werden als in der Vergangenheit.”

Das gestiegene Interesse wird durch die Frustration vieler Ferienimmobilienbesitzer in anderen Ländern angeheizt. Eigentümer von Villen und Apartments auf Mallorca oder Sardinien zum Beispiel sind in den Knochen, dass sie ihr Eigentum seit Monaten nicht mehr nutzen können. Das kommt dem österreichischen Markt zugute. “Die Nähe ist sicherlich ein großer Vorteil”, sagt Bernhard Reikersdorf, Geschäftsführer des Immobilienmaklers Re / Max Austria.

Trotz der Pandemie in Österreich können keine Schnäppchen gemacht werden. “Die Preise für Wohn- und Ferienimmobilien sind derzeit stabil”, sagte der Raiffeisen-Immobilienexperte Weinberger. “Wenn die Nachfrage weiter wächst, kann es durchaus zu regionalen Steigerungen kommen”, prognostiziert er.

Neben der geografischen Nähe spielen Sicherheit, Gesundheitssysteme und stabiler Wert auch für Käufer von Ferienhäusern eine wichtige Rolle. „Da dies alles garantiert ist, ist Österreich derzeit das attraktivste Land für Immobilienkäufer. Und das wirkt sich natürlich auch auf die Immobilienpreise aus “, betont Thomas Hopfgartner, Leiter des Kärntner Immobilienunternehmens Living De Luxe.
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