Jetzt nehmen auch die großen Versorgungsunternehmen zu

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Stromkosten

In keinem anderen Land Europas zahlen die Bürger so viel für Strom wie in Deutschland.


(Foto: AP)

Essen Die Welle der Strompreiserhöhungen in Deutschland lässt nicht nach. Nach Angaben des Vergleichs- und Vermittlungsportals Verivox haben 86 Anbieter für die Monate Februar bis April Preiserhöhungen von durchschnittlich 8,1 Prozent angekündigt.

Für eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden bedeutet dies zusätzliche Kosten von rund 100 Euro pro Jahr. Vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Hamburg sind rund 3,9 Millionen Haushalte betroffen.

Die Strompreise für deutsche Haushalte steigen seit Jahren stetig an. Energie aus der Steckdose ist allein im vergangenen Jahr um durchschnittlich drei Prozent teurer geworden. Fast 700 der 800 regionalen Versorger hatten ihre Preise 2019 sogar um rund fünf Prozent erhöht. Denn die Netzentgelte und die EEG-Umlage, die fast die Hälfte des Strompreises ausmachen, stiegen zum Jahreswechsel mehrheitlich die lieferanten haben die preise im januar erneut erhöht. Jetzt kommen die großen Versorgungsunternehmen voran.

Verivox zufolge sind die großen Stromversorger wie Eon und Innogy nun Teil der neuen Preisrunde. “Vor allem Anbieter mit starken Kunden verschieben ihre Preiserhöhungen auf das Frühjahr”, sagte Valerian Vogel, Energieexperte bei Verivox. “Zusammen mit der Preiswelle zu Jahresbeginn haben drei Viertel aller Grundversorger ihre Strompreise im Jahr 2020 erhöht.” Die neuen Zuwächse fielen mit durchschnittlich 8,1 Prozent stärker aus als zu Jahresbeginn.

Das Verbraucherzentrum in Nordrhein-Westfalen hat auch beobachtet, dass große Energieversorger wie Innogy und Eon die Preise nicht zu Jahresbeginn, sondern zu unterschiedlichen Zeiten erhöhen. “Natürlich gibt es hier zum Jahreswechsel einen bewussten Sprung, um den Preiserhöhungen mit weniger Aufmerksamkeit entgegenzukommen”, sagte Energieexperte Udo Sieverding.

Besonders ärgerlich ist, dass viele Energieversorger die Preise um mehr als 1: 1 erhöhen, was eine Erhöhung der EEG-Umlage zur Förderung von Ökostrom oder Netzentgelten ermöglichen würde. “Hier erfolgt die Kasse beim Kunden”, kritisierte Sieverding. Betroffene Kunden sollten daher einen Anbieter- oder Tarifwechsel in Betracht ziehen. Die Zuschläge waren um rund 5 Prozent gestiegen, die Netzentgelte um rund 4 Prozent. Zusammen machen sie rund 45 Prozent des Strompreises aus.

Der Essener Energieversorger Innogy weist darauf hin, dass seine Grundversorgungspreise seit sieben Jahren stabil sind. “Der letzte Anstieg war im März 2013”, sagte ein Sprecher. Im Jahr 2015 wurden die Preise sogar gesenkt. Innogy erhöht laut Verivox die Grundversorgungstarife um 9,6 Prozent. Die ehemalige RWE-Tochter wird künftig zum Eon-Konzern gehören, der mit Abstand der größte Stromversorger in Deutschland sein wird.

Preiserhöhungen zwischen 5,5 und 12,1 Prozent

Eon sagte: “Die Strompreise bilden sich auf dem Markt und in einem intensiven Wettbewerb.” Fast 80 Prozent der Anbieter hatten bereits ihre Preise angepasst oder Preiserhöhungen angekündigt. “Jetzt kann sich Eon dem allgemeinen Kostendruck nicht mehr entziehen”, sagte ein Sprecher.

Eon müsste daher die Preise in einigen Regionen bis zum 1. März anpassen, nachdem sie dort mehrere Jahre stabil geblieben waren und teilweise gesenkt wurden. Verivox hat für einzelne regionale Eon-Unternehmen Preiserhöhungen zwischen 5,5 und 12,1 Prozent festgestellt.

Die Angaben zu den Preiserhöhungen beziehen sich auf Haushalte, die Strom zu einem Grundversorgungstarif beziehen. Dies sind nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 27 Prozent aller privaten Haushalte in Deutschland. Strom in der Grundversorgung ist in der Regel der teuerste Tarif. Die Grundlieferanten sind verpflichtet, Preiserhöhungen zu veröffentlichen.

Mehr: Eon-Chef Teyssen treibt einen radikalen Vorschlag voran: Die EEG-Umlage soll wegfallen. Minister Altmaier bremst.

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