Joachim Wenning plant bereits für die Zeit nach Corona

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München Vor einem Monat war ein möglicher Koronaschock für Joachim Wenning nur eines von vielen Hauptproblemen. Bei der Vorlage der Bilanz des letzten Jahres befasste sich der Leiter von Munich Re auch mit den Waldbränden in Australien und der schwierigen Situation beim Flugzeughersteller Boeing, den niedrigen Zinsen und dem neuen Mehrjahresplan, der ausgearbeitet werden soll dieses Jahr.

Zu diesem Zeitpunkt erwartete die Gruppe nur Gebühren im einstelligen Millionenbereich aus der Absage einiger kleiner und mittlerer Veranstaltungen in Asien.

Einen Monat später ist die Situation ganz anders. Hohe Verluste, insbesondere durch zahlreiche Absagen und Verschiebungen von Großveranstaltungen, veranlassten den Versicherer, seine Prognose für das laufende Jahr am Dienstagabend in Frage zu stellen. Das für dieses Jahr angestrebte Gewinnziel von 2,8 Milliarden Euro wird bis heute nicht erreicht. Der Grund ist das Koronavirus und die damit verbundene hohe Unsicherheit über seine finanziellen und makroökonomischen Auswirkungen.

Für Joachim Wenning ist es der zweite große Rückschlag seit seinem Amtsantritt als CEO von Munich Re von seinem langjährigen Vorgänger Nikolaus von Bomhard im Jahr 2017. Kaum ein halbes Jahr im Amt, drei heftige Wirbelstürme in der Karibik, den USA und den USA Der Golf von Mexiko verursachte traurige Rekordschäden.

Der Gewinn des Erstversicherers und Rückversicherers, der traditionell in Milliardenhöhe liegt, schrumpfte in Wennings erstem Jahr als Chef in unbekannten Regionen unter 400 Millionen Euro.

Seitdem hat Wenning den Konzern nicht nur schrittweise in alte Gewinnregionen zurückgeführt, sondern wird auch intern als Treiber des Veränderungsprozesses angesehen, den das 140 Jahre alte traditionelle Unternehmen seit einiger Zeit durchläuft. Das Ziel ist immer “profitabler, schlanker und digitaler”.

Der 54-Jährige baute nicht nur die internen Prozesse im Schadenmanagement und in der Schadenbearbeitung neu auf, sondern öffnete die Gruppe auch bewusst für die Zusammenarbeit im Technologiesektor. Die Partnerschaft mit dem Automobilhersteller Porsche wurde erst kürzlich um die Entwicklung flexibler Produktionskonzepte erweitert. Auch die Gewinne flossen fast wie bisher. Im vergangenen Jahr waren es über 2,7 Milliarden Euro, 200 Millionen Euro mehr als ursprünglich angestrebt.

Bisher unbekanntes Problem

Aber Wenning muss jetzt ein Problem bewältigen, das Munich Re bisher relativ unbekannt war. Die Absage von Großveranstaltungen aufgrund einer Pandemie stellte das Unternehmen vor bisher unbekannte Probleme. Selbst während der Finanzkrise vor über einem Jahrzehnt war das öffentliche Leben genauso betroffen wie heute.

Jetzt sind jedoch die Olympischen Spiele in Tokio, die gerade um ein Jahr auf den Sommer 2021 verschoben wurden, die bekannteste Veranstaltung, für die Munich Re als Versicherer verantwortlich ist. Es ist jedoch nicht nur ein einziges Ereignis, das den Gewinn im ersten Quartal nach Angaben der Gruppe auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag senkt.

Vielmehr ist es die Summe aus Absagen und Verschiebungen von Messen und Festivals, von Sportveranstaltungen und Konzerten, die einen Gewinn von 633 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr unerreichbar macht.

Das traditionelle Aktienrückkaufprogramm, das erst Ende Februar erneut gestartet wurde, wird ebenfalls bis auf weiteres ausgesetzt. Nur einmal im letzten Jahrzehnt war es in der Phase nach der Finanzkrise gescheitert. Wenning könnte es später in diesem Jahr wieder aufnehmen lassen, wenn die Auswirkungen der Koronakrise vorhersehbarer sind, ist der Plan jetzt.

Oder er verwendet das eingesparte Kapital von einer Milliarde Euro für “Kapitalanforderungen, die sich aus möglichen organischen oder anorganischen Geschäftsmöglichkeiten ergeben”. Was die Botschaft vom Dienstagabend auf sehr einfache Weise sagt, bedeutet in einfachen Worten nichts weiter als: Bargeld ist König, besonders in der Phase nach Corona.

Dann gibt es wahrscheinlich viele Möglichkeiten für Joachim Wenning, hoffen sie bei Munich Re. Egal ob durch den Kauf direkter Wettbewerber, von Start-ups, im Immobiliensektor oder in anderen Branchen. Der Münchener Re-Chef setzt bereits die Weichen für die Zeit nach der Koronakrise.

Mehr: Rückversicherer: Munich Re sammelt Gewinnziel und setzt Aktienrückkauf aus

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