Lange Tradition: Frühjahrsputz vom Sinn zum Unsinn

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Im Moment sind wir gezwungen, viel Zeit zu Hause zu verbringen – und plötzlich bemerken einige, wie schmutzig alles ist.

In den Ecken hängen Spinnennetze, Türen und Fenster sind mit fettigen Fingerabdrücken bedeckt, die Staubmäuse sammeln sich unter den Betten und Späne in den Rissen des Sofas.

Es ist höchste Zeit für einen gründlichen Frühjahrsputz: Wir möchten, dass es in unserer Region so schön und gemütlich wie möglich ist. Und auch die Gesundheit profitiert davon. Aber warum pflegen wir den Brauch des Frühjahrsputzes? Eine Suche nach Spuren:

SINN: “Ein sauberes Zuhause ist immer wichtig, für Allergiker und Menschen mit schwachen Abwehrkräften, aber auch für gesunde Menschen”, sagt Heinz-Jörn Moriske vom Bundesumweltamt in Dessau-Roßlau. Nach seinen Informationen können Toxine und Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien am Staub haften bleiben. Aufgrund der Koronapandemie ist es derzeit besonders wichtig, Türgriffe und häufig berührte Oberflächen regelmäßig abzuwischen und täglich zu lüften. “Es ist ein Missverständnis zu glauben, dass Sie beim Lüften Viren von außen in Ihr Zuhause tragen. Im Gegenteil, durch das Lüften werden Viren, die möglicherweise draußen geniest haben, weggetragen, bevor andere im Haushalt infiziert werden”, betont der Umwelthygieniker.

STRESS: Im normalen Alltag kommen wir nicht so oft zum Putzen, wie es eigentlich nötig ist – und schämen uns, wenn Besucher wegen der Staubschicht auf dem Bücherregal und der vielen Krümel unter dem Esstisch kommen. “Von außen herrscht großer Druck”, sagt Brigitte Less vom Bundesverband der Haushaltsberufe in Bad Schmiedeberg in Sachsen-Anhalt. Was sollen die Nachbarn sagen, was die Schwiegermutter? Vor kurzem haben Verwandte gehört, wie praktisch ein Staubsaugerroboter ist. Ein Hinweis mit dem Zaunpfosten?

WERKZEUGE: Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom wurden im vergangenen Jahr 4 Prozent der deutschen Haushalte von intelligenten Robotern gesaugt. Im Vorjahr waren es 2 Prozent. Auch die Ausgaben für Reinigung und Reinigungsmittel sind laut Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK im vergangenen Jahr leicht auf durchschnittlich rund 34,18 Euro gestiegen. Die größten Umsätze wurden wie im Vorjahr in den ersten drei Monaten verzeichnet. Die Experten können jedoch nicht sagen, ob ein Zusammenhang mit dem Frühjahrsputz besteht.

BEDARF: Laut der Autorin Linda Thomas hat das Aufräumen nach dem Winter in vielen Kulturen eine lange Tradition. Für Juden und Christen ist dies ein Symbol für einen Neuanfang vor Ostern. “Die Chinesen putzen ihre Häuser im Frühjahr seit Jahrtausenden gründlich, um sie von den im Staub lebenden Dämonen zu befreien”, sagt Thomas, der mehrere Bücher über die Reinigung geschrieben hat. Noch heute verspürten viele den Impuls, sich in den ersten Sonnentagen von Spinnweben, Staub und Schmutz zu befreien. «Aufräumen, Aufräumen und Reinigen sind bewährte Mittel, um intern wieder auf Kurs zu kommen.»

GESCHLECHTERVERTEILUNG: Im Laufe der Monate sammelt sich viel Hausarbeit an, insbesondere in Familien mit kleinen Kindern. Reinigung kann zu purem Stress werden: Sobald die Böden gesaugt und abgewischt sind, tragen die Kleinen Sandberge vom Spielplatz zurück. “Der Frühjahrsputz kann eine psychische Belastung sein”, weiß Less. Für die Frauen. Denn nach ihrer Erfahrung bleibt der Frühjahrsputz – wie der gesamte Haushalt – meistens bei Frauen, obwohl viele von ihnen genauso arbeiten wie Männer. “Es gibt immer noch das traditionelle Vorbild”, sagt sie.

In ihrer Praxis in Bad Nauheim, Hessen, kümmert sich die Psychologin Cornelia van den Hout um viele junge Frauen, die von ihrem Alltag überwältigt sind. «Frauen stehen heute viel mehr unter Druck. Sie wollen perfekt sein, aber das wird von ihnen erwartet “, sagt sie. “Sie stellen ihre Bedürfnisse hinter sich, sie arbeiten einfach.” Vor allem der Psychologe hilft ihnen, aus dem Hamsterrad von Arbeit, Haushalt und Kinderbetreuung auszubrechen und Prioritäten zu setzen. Sprich: Lass den Mopp in der Ecke und nutze die Zeit lieber für dich.

LIEBES SELBST: Laut einer Studie, die das Institut für deutsche Wirtschaft in Köln im vergangenen Herbst im Auftrag des Minijob-Hauptquartiers durchgeführt hat, steht die Generation X, d. H. Die zwischen 1965 und 1980 geborenen, derzeit unter Druck. Sie verbringen 11,5 Stunden am Tag mit Arbeit, Haushalt und Kindern. Obwohl dies bedeutet, dass sie wenig Freizeit haben, ergab die Studie, dass nur 7 Prozent Haushaltshilfe beschäftigten. Die Anzahl der nicht gemeldeten Fälle ist jedoch hoch. Derzeit sind rund 300.000 Haushaltshelfer in der Minijob-Zentrale registriert, sagt Wolfgang Buschfort vom Deutschen Rentenversicherungsverband Knappschaft-Bahn-See, zu dem die Minijob-Zentrale gehört. Hinzu kommen rund 500.000 registrierte Fachkräfte. “Schätzungsweise 80 bis 90 Prozent arbeiten schwarz”, sagt er.

UNSINN: Wegen der Koronapandemie muss sich aus hygienischen Gründen niemand mit Reinigungswahn befassen. “Selbst in der aktuellen Diskussion über Korona ist es nicht notwendig, die gesamte Wohnung regelmäßig und durchgehend mit Desinfektionsmitteln zu reinigen. Sie ist sogar schädlich für Mensch und Umwelt”, warnt der Experte des Bundesumweltamtes, Moriske.

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