Umgang mit Flüchtlingen in der Koronakrise: Portugal macht es besser

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Corona zeigt, wie sehr wir Migration brauchen. Und auch, dass eine Politik, die sie nicht dämonisiert, schafft, dass jeder davon profitiert.

Erntearbeiter

Ohne – oft Migranten – Erntehelfer sieht es in Deutschland ziemlich dumm aus Foto: dpa

Die Koronakrise zwingt viele Dinge ins Blickfeld, die sonst übersehen werden. Wie sehr unsere Gesellschaft zum Beispiel von der Arbeit der Migranten abhängt. Sei es Pflege, Landwirtschaft oder Spediteure: Die Lücken, die durch die geschlossenen Grenzen entstehen, sind riesig. Inwieweit Wohn- und Sozialrechte miteinander verbunden sind, ist ebenfalls klarer als üblich. Um nur ein Beispiel zu nennen: Gastronomen versuchen, ihre überflüssigen Arbeitskräfte in großer Zahl loszuwerden. Es wird klar, wann Migration hier akzeptiert wird: solange es sinnvoll ist. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner möchte, dass Asylsuchende und tolerierte Personen ohne Arbeitserlaubnis ausgestellt werden – aber natürlich “nicht allgemein”, sondern nur “für eine begrenzte Zeit”.

Portugal zeigt, dass es einen anderen Weg gibt: Die Regierung hat jetzt angekündigt, dass angesichts der Corona-Epidemie alle Flüchtlinge mindestens bis zum Sommer im Land bleiben können. Alle Ausländer erhalten bis Juli automatisch eine Aufenthaltserlaubnis und Zugang zu Sozial- und Gesundheitsleistungen – unabhängig davon, ob sie derzeit vor Ort benötigt werden oder nicht.

Es ist eine rationale und solidarische Migrationspolitik in Krisenzeiten. Die portugiesische Regierung hat eine ähnliche Ausgangsposition wie Deutschland: eine niedrige Geburtenrate und eine hohe Abhängigkeit, beispielsweise in der Landwirtschaft, von Wanderarbeitnehmern. Aus diesem Grund ist Lissabon seit einiger Zeit offen für die Aufnahme von Flüchtlingen.

Sicher ist das kleine Land für viele nicht das erste Ziel. Die geringe Anzahl der ankommenden Personen erleichtert es, großzügig zu sein. Trotz der Finanzkrise wurde die Migration in Portugal in den letzten Jahren nicht so zwanghaft verhandelt wie in Deutschland, wie dies in Deutschland häufig der Fall war. Das zahlt sich jetzt aus: Eine Politik, die die Migration nicht dämonisiert, kann einfacher so gehandhabt werden, dass jeder davon profitiert.

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