Von Trier nach London: Reisen mit Karl Marx und Friedrich Engels

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W.In den 1970er Jahren studierte er Politikwissenschaft oder Deutsche Philologie mit einem Nebenfach in Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt, Marburg oder Westberlin. Natürlich musste er sich ein paar „blaue Bücher“ kaufen. Die Emsigen reisten dafür in die DDR, dort gab es die blau gebundene Marx-Engels-Werkausgabe zu einem lächerlich niedrigen Preis.

Die meiste Zeit sind Sie etwas verwirrt zurückgekommen, weil der kleine Diamant des real existierenden Staatssozialismus nicht den grundlegenden Einsichten entsprach, die im Seminar über “Kapital” diskutiert worden waren. Wenn Sie „dort drüben“ waren, konnten Sie schließlich monumentale Marx-Köpfe knacken.

Mit 7,10 Metern war die in Karl-Marx-Stadt die zweithöchste Porträtbüste der Welt. Wo gab es so etwas im Westen?

Auf den Spuren von Karl Marx und Friedrich Engels

Die Stadt des Marxkopf-Rekords heißt seit langem wieder Chemnitz. Und „wissenschaftlicher Sozialismus“ ist so viel Geschichte, dass Trier es vor zwei Jahren wagte, eine Statue seines berühmten Sohnes aufzustellen: Marx in Bronze, 5,50 Meter hoch, ein Geschenk Chinas zum 200. Geburtstag des Philosophen.

In Trier gibt es auch ein Karl-Marx-Haus, einen Karl-Marx-Platz und eine Karl-Marx-Ampel. In dem Haus, in dem er aufgewachsen ist, gibt es jetzt einen Ein-Euro-Laden. Und die Karl-Marx-Straße führt in das Rotlichtviertel.

Karl-Marx-Haus: der Geburtsort des Philosophen in Trier

Karl-Marx-Haus: der Geburtsort des Philosophen in Trier

Bildnachweis: Bild Allianz / ImageBROKER

All dies findet sich im Reiseführer “Auf den Spuren von Karl Marx & Friedrich Engels” von Michael Driever (Know-How Verlag), der das Leben der beiden Revolutionäre nicht ohne Sinn für das Bizarre nachzeichnet. Sie können herausfinden, wo die beiden in Berlin, Köln, Brüssel, Manchester, London lebten, was sie dort geschrieben haben, wie sie sich kennengelernt haben – und wie sie heute in Erinnerung bleiben.

Zusammenarbeit in Paris und Brüssel

Die Zusammenarbeit zwischen Marx und Engels begann im „Café de la Régence“ in Paris, das Rousseau und Voltaire bereits besucht hatten. Sie nahmen einen Aperitif, dann noch einen und überredeten sich dazu. Das Café zog später um, heute gibt es schließlich einen Buchladen in diesen Räumen.

Die meisten Häuser in Brüssel existieren nicht mehr, in denen die von finanziellen Schwierigkeiten geplagte Familie Marx und der wohlhabende Wuppertaler Fabriksohn Engels ganz anders lebten. Aber das Maison de Cygne am Grand Place steht noch.

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Friedrich Engels war der Sohn eines Textilunternehmers und kannte daher schon früh die Realität der Fabrikarbeit

Heute ein gehobenes Restaurant, dann ein Pub und Treffpunkt des Deutschen Arbeiterverbandes. Hier hatte Karl Marx seine großen Auftritte, nach der Politik gab es eine Party, manchmal machte Marx ‘Frau Jenny eine Gesangsdarbietung.

Marx und Engels schrieben das Kommunistische Manifest in einem unscheinbaren Haus in der Rue Jean d’Ardenne. Es wurde im Februar 1848 in London gedruckt und kurz darauf wurde Marx verhaftet und außer Landes geworfen.

Eine Kletterwand erinnert an den kommunistischen Führer

Er ging nach London, wo er jahrelang auf der G7 saß. So hieß der Ort in der British Library, an dem sein Hauptwerk geschrieben wurde: “The Capital”.

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Im Gegensatz zu dem, was sein Schreibtisch vorschlägt, war Marx nicht für seine Bestellung bekannt

Natürlich gab es auch in London eine Zucht, wie Wilhelm Liebknechts Erinnerung an eine Kneipentour bezeugt, auf die sich ein betrunkener Marx stürzte, nur um mit einer “Beweglichkeit, die ich nie von ihm erwartet hätte” vor der Polizei davonzulaufen.

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Als Marx 1883 starb, hielt Engels die Begräbnisrede auf dem Highgate Cemetery. Es gibt kein Grab von Engels, die Asche wurde 1895 in Eastburn, seinem Lieblingsbad, im Meer verstreut.

Das bemerkenswerteste aller Denkmäler in Salford bei Manchester erinnert an diesen Mann, der es geschafft hat, die Existenz eines Herstellers, kommunistischen Führers und Philosophen in einer Person zu vereinen: eine Kletterwand in Form eines bärtigen Schädels.

Friedrich Engels als Kletterwand in Salford

Am Bart des Philosophen: Friedrich Engels als Kletterwand in Salford

Kredit: Bild Allianz / Empics

Dieser Text stammt aus dem WELT AM SONNTAG. Gerne liefern wir sie regelmäßig zu Ihnen nach Hause.

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Quelle: WELT AM SONNTAG

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