Weniger Krankenhäuser sind gut für die Gesundheit

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eEs gibt ein Land in Europa, dessen Politiker in den letzten Jahren ein Krankenhaus nach dem anderen geschlossen haben. Bald wird es dort nur noch halb so viele Kliniken geben wie 2010. Ist das Land bankrott? Stöhnt es unter Schulden, die seine Bewohner in medizinische Not treiben? Überhaupt nicht. Das fragliche Land heißt Dänemark und es ist eines der reichsten auf dem Kontinent. Die Unternehmen machen brillante Geschäfte. Das Bildungsniveau ist hoch, das Bruttoinlandsprodukt auch und die Lebenserwartung sowieso. Und doch gibt es in Dänemark im Verhältnis zur Einwohnerzahl weitaus weniger Krankenhausbetten als in Deutschland. Wie passt das zusammen?

Sebastian Balzter

Sebastian Balzter

Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Am besten geht man nach Gødstrup, um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen. Dort wird derzeit kein altes Krankenhaus abgerissen, sondern ein neues gebaut. Gødstrup liegt mitten im Nirgendwo in Dänemark, genauer gesagt im Westen von Jütland, vor den Toren der kleinen Stadt Herning, gut 50 Kilometer von der Nordseeküste entfernt. In der Vergangenheit gab es nur Felder, Wiesen und einen Schweinestall. Dann kamen die Bulldozer, Bagger, Kräne. Gødstrup ist seit September 2012 eine Baustelle in der Größe von 50 Fußballfeldern. In der Zwischenzeit gibt es sieben Stockwerke hoch, darunter rotbraun geklinkert und darüber mit leichten Aluminiumpaneelen verkleidet, die beiden Bettenbereiche des zukünftigen Bezirkskrankenhauses mit Platz für 400 Patienten. Der Innenausbau ist in vollem Gange, Steckdosen werden gesetzt und Böden verlegt. Der Zeitplan ist ehrgeizig: Am 1. März 2021 soll um 5 Uhr morgens die Notaufnahme in Betrieb gehen.

Poul Michaelsen, der Krankenhausdirektor von Gødstrup, wird beurteilt, ob das funktioniert. Es sieht gut aus. Die neue Autobahn, die direkt am Klinikgelände vorbeiführt und eine eigene Ausfahrt hat, ist bereits fertig. Die neue Haltestelle auch für den Regionalzug. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob eine einzige, zentral gelegene Klinik tatsächlich für die Gesundheitsversorgung in einem Gebiet ausreicht, das fast doppelt so groß ist wie das Saarland, rund 300.000 Einwohner hat und bis vor kurzem fünf kleinere das Gebiet mit 1000 verteilten Krankenhäusern durchquert Betten. Drei von ihnen sind bereits geschlossen. Die anderen beiden bleiben in Betrieb, bis alle Abteilungen in das neue Haus umgezogen sind.

Einzelzimmer für alle

“Die alten Kliniken waren 100 Jahre alt”, sagt Poul Michaelsen. „Wir hätten dort nie die neueste Technologie einsetzen können, die wir im neuen Krankenhaus haben werden. Das ist besser für die Patienten und für das Personal. „Kürzere Wege, effizientere Prozesse, einschließlich eines Rohrpostsystems für Müll und Schmutzwäsche: Das neue Krankenhaus soll 8 Prozent mehr medizinische Leistungen mit demselben Budget erbringen als die fünf alten zusammen.

Bessere Medizin, geringere Kosten – der Neubau in Gødstrup ist ein Test, ob dies möglich ist. Die große Krankenhausreform, zu der Poul Michaelsens Baustelle gehört, ist allenfalls langfristig ein Sparprogramm. Zunächst wird viel Geld dafür ausgegeben. Ein verschuldetes Land konnte es sich nicht leisten. Allein der Neubau in Gødstrup kostet umgerechnet 430 Millionen Euro. Zu diesem Zweck wird dort eines von sechs brandneuen “Superkrankenhäusern” des Landes gebaut. Befürworter der Reform waren sich schnell über diesen werbewirksamen Namen einig. In Gødstrup gibt es nur Einzelzimmer mit einem Besuchersofa als Standard. Das sei kein Luxus, sagt Michaelsen, sondern eine Reaktion auf den medizinischen Fortschritt. In Zukunft würden mehr Interventionen ambulant durchgeführt. Nur diejenigen Patienten, die es wirklich brauchten, wurden auf die Stationen eingeliefert. Dann brauchten sie aber auch die Ruhe eines Einzelzimmers, in dem die Ärzte ungestört vertrauliche Angelegenheiten mit ihnen besprechen können.

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